Verfahren der Neuromodulation nach der SOZO-Methode
Die SOZO-Methode verbindet mehrere Verfahren der Neuromodulation in einem Behandlungsplan. Hier erläutern wir, wie die einzelnen Verfahren wirken und wie Sie die Behandlung erleben.
Was Neuromodulation bedeutet
Nervenzellen in verschiedenen Hirnregionen sind zu Netzwerken verbunden und tauschen ständig Signale aus. Bei Erkrankungen wie Parkinson oder nach einem Schlaganfall ist dieser Austausch häufig gestört.
Die Neuromodulation stimuliert ausgewählte Bereiche dieser Netzwerke nicht-invasiv von außen, ohne Operation, Narkose oder Injektion. Dadurch fördert sie die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu vernetzen und anzupassen.

Die Verfahren im Überblick
TPS und Stoßwellentherapie erhalten Sie in der Praxis. Die Anwendung von tDCS, tVNS und CES sowie das Training mit dem Reha-Handschuh und mit Siwave zeigt Ihnen unser Team, sodass Sie diese Verfahren später auch zu Hause nutzen können.
Transkranielle Pulsstimulation
So funktioniert esÜber ein Handstück werden kurze Stoßwellen durch die Schädeldecke geleitet, die Hirnregionen in bis zu acht Zentimetern Tiefe erreichen. Dabei handelt es sich um akustische Druckimpulse und nicht um Ultraschall. Anders als elektrische oder magnetische Verfahren wirkt die TPS mechanisch, indem die Impulse in den Nervenzellen Vorgänge auf Zell- und Molekülebene anstoßen. Studien beschreiben, dass dabei Entzündungen abklingen, Stammzellen aktiviert werden und regenerative Prozesse über mehrere Wochen anhalten.
Grundlage sind Ihre MRT-Aufnahmen, die in das System Neurolith eingelesen werden. Während der Behandlung erfassen eine 3D-Kamera und eine spezielle Brille die Position des Handstücks, sodass auf Ihren Aufnahmen jederzeit genau sichtbar ist, welcher Bereich des Gehirns behandelt wird. Durchgeführt wird die Behandlung von Dr. med. Lemke und speziell geschultem Fachpersonal aus unserem Team.
Sie sitzen oder liegen bequem und spüren an der behandelten Stelle einen leichten Druck oder ein Pulsieren, jedoch keine Schmerzen. Damit die Impulse gut übertragen werden, tragen wir ein Kontaktgel auf die Kopfhaut auf. Eine Sitzung dauert je nach Erkrankung etwa 45 bis 60 Minuten.
Fokussierte und radiale Stoßwellentherapie
So funktioniert esMit dem Gerät Duolith werden akustische Impulse in bestimmte Körperregionen geleitet. Radiale Stoßwellen breiten sich dabei flächig aus und erreichen vor allem Muskeln und Sehnen nahe der Oberfläche. Sie lösen Verklebungen und Verkalkungen und sind ein bewährtes Verfahren ohne Operation bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats. Fokussierte Stoßwellen bündeln ihre Energie dagegen in einem Punkt tiefer im Gewebe und sind eng mit der TPS verwandt. Beide Formen fördern Durchblutung, Stoffwechsel und die Regeneration des Gewebes. Zudem aktivieren sie Stammzellen, unterstützen die Bildung neuer Blutgefäße und hemmen Entzündungen.
So schafft die Stoßwellentherapie im Körper gute Voraussetzungen für die Behandlung mit der TPS, und häufig finden beide Behandlungen am selben Termin statt. Darüber hinaus kommt die Stoßwellentherapie bei neurologischen Erkrankungen und Beschwerden zum Einsatz, etwa bei Parkinson, Multipler Sklerose, Polyneuropathie, Dystonie, Spastik und Lähmungen.
Wie bei der TPS spüren Sie die Impulse schmerzfrei als Druck oder Pulsieren. Je nach Körperregion dauert die Stoßwellentherapie 30 bis 60 Minuten.
Transkranielle Gleichstromstimulation
So funktioniert esÜber zwei Elektroden auf der Kopfhaut fließt ein sehr schwacher Gleichstrom, der je nach Polung der Elektroden die Aktivität eines Hirnareals anregt oder dämpft. Außerdem verbessert der Strom die Durchblutung und unterstützt das glymphatische System, das Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn abtransportiert. Gleichzeitig wirkt er Entzündungen entgegen und fördert in einigen Hirnregionen Stammzellen. Die tDCS lässt sich bei nahezu allen neurologischen Erkrankungen einsetzen und wird in einer Reihe von Sitzungen angewendet, bei denen die Stimulation jeweils etwa 20 Minuten dauert. Für die Anwendung zu Hause steht zusätzlich die HD-tDCS zur Verfügung, bei der mehrere kleinere Elektroden ein Areal noch präziser ansprechen.
Viele Patienten spüren ein leichtes Kribbeln oder etwas Wärme auf der Kopfhaut.
Transkutane Vagusnervstimulation
So funktioniert esDer Vagusnerv ist der längste Hirnnerv und verbindet das Gehirn mit vielen inneren Organen. Als wichtigster Nerv des Parasympathikus steuert er Ruhe, Erholung und Regeneration. Bei der tVNS wird über eine kleine Elektrode am Ohr ein Ast dieses Nervs stimuliert, was sich im ganzen Körper auswirkt, unter anderem auf Kreislauf, Immunsystem und Stressverarbeitung. Die tVNS gehört bei fast allen Erkrankungen, die wir behandeln, zum Behandlungsplan.
Sie spüren eine leichte Vibration im Bereich des Ohres und können die tVNS anwenden, während Sie sich entspannen oder Ihrem Alltag nachgehen.
Cranial Electrotherapy Stimulation
So funktioniert esDie CES gibt über kleine Clips an den Ohrläppchen einen sehr schwachen Strom ab, dessen feine Impulse die Bildung von Botenstoffen wie Serotonin, Endorphinen und Melatonin anregen. Eingesetzt wird die CES vor allem bei Schlafstörungen, Stress und Ängsten, depressiven Verstimmungen, chronischen Schmerzen und Konzentrationsproblemen. Eine Variante kombiniert sie mit der Mikrostromtherapie MET, die über Elektroden am Körper angewendet wird.
An den Ohrläppchen ist höchstens ein feines Kribbeln zu spüren, und viele Patienten empfinden die Sitzung als entspannend.
Reha-Handschuh
So funktioniert esEin Handschuh mit integrierter Technik unterstützt die Bewegungen von Hand und Fingern, sodass Sie gezielt das Greifen und Loslassen trainieren können. Er kommt vor allem bei eingeschränkter Handfunktion zum Einsatz, etwa nach einem Schlaganfall.
Den Handschuh tragen Sie an der betroffenen Hand und trainieren dabei im Sitzen.
Vibrationstraining
So funktioniert esSiwave ist eine Trainingsplatte mit zwei Flächen, die sich abwechselnd leicht auf und ab bewegen. Diese Bewegung ähnelt dem natürlichen Gangmuster und fordert Gleichgewicht und Haltung, weshalb wir Siwave in der Trainingstherapie einsetzen.
Sie stehen auf der Platte und spüren gleichmäßige Schwingungen unter den Füßen, deren Intensität wir auf Ihre Belastbarkeit abstimmen. In der Praxis betreut Sie dabei ein Mitglied unseres Teams.

Wie die Verfahren zusammenwirken
Die Verfahren wirken an unterschiedlichen Stellen. Während einige bestimmte Hirnregionen stimulieren, fördern andere Ruhe und Regeneration im Nervensystem. In der SOZO-Methode werden sie deshalb je nach Krankheitsbild miteinander kombiniert.
Die Methode stammt aus der Hauptzentrale des SOZO Brain Center auf Zypern, wo Petros Kattou die Neuromodulation leitet und sie kontinuierlich weiterentwickelt. Grundlage ist die FNON-Methode, bei der sich die Auswahl der Hirnregionen nach dem Netzwerk richtet, das bei der jeweiligen Erkrankung beteiligt ist. Alle Verfahren setzen wir als Off-Label-Behandlung ein, also auch außerhalb ihres offiziell zugelassenen Anwendungsbereichs.
Ihren persönlichen Behandlungsplan erstellen wir aus der neurologischen Untersuchung, den Fragebögen und Ihren MRT-Aufnahmen.
Studien zu den Verfahren
Die Verfahren der SOZO-Methode werden seit vielen Jahren klinisch erforscht und sind in zahlreichen Fachpublikationen zu Wirkung und Verträglichkeit beschrieben. Für verschiedene Anwendungsgebiete zeigen sie vielversprechende Ergebnisse. Zu TPS, Stoßwellentherapie, tDCS, tVNS und CES stellen wir hier jeweils eine Übersichtsarbeit oder Studie vor, während Sie Studien zu einzelnen Erkrankungen bei den Anwendungsgebieten finden. Alle Studien sind in englischer Sprache verfasst.
TPS bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen
Die Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse fasst 15 Studien zur TPS zusammen, unter anderem zu Alzheimer, Parkinson, Depression, Autismus und ADHS.
Stoßwellentherapie bei orthopädischen Erkrankungen
Die systematische Übersichtsarbeit untersucht Wirksamkeit und Sicherheit der Stoßwellentherapie anhand kontrollierter Studien.
Leitlinie zur tDCS
Ein internationales Expertenteam hat die Studien zur tDCS bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen ausgewertet und daraus Empfehlungen abgeleitet.
Fregni und Kollegen, International Journal of Neuropsychopharmacology 2021
tVNS am Ohr
Die Übersichtsarbeit beschreibt die Entwicklung der Vagusnervstimulation am Ohr und ihren Einsatz bei verschiedenen Erkrankungen.
CES bei Angst und Depression
Die randomisierte und placebokontrollierte Studie mit 115 Teilnehmern untersuchte die CES bei Angststörungen und begleitender Depression.
Für wen sich die SOZO-Methode eignet
Die Methode richtet sich an Menschen mit neurologischen und neuropsychiatrischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen, chronischen Schmerzen oder Schlafstörungen sowie mit funktionellen Beschwerden wie dem Reizdarmsyndrom. Außerdem lässt sie sich vorbeugend einsetzen.
SOZO in Videos
In diesen Videos lernen Sie die SOZO-Methode und die Menschen dahinter kennen.
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