Anwendungsgebiete der Neuromodulation in Heidelberg
Wir behandeln neurologische und neuropsychiatrische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen, chronische Schmerzen und Schlafstörungen. Hier erläutern wir die einzelnen Krankheitsbilder und die Verfahren, die wir jeweils einsetzen.
Wann Patienten zu uns kommen
Viele unserer Patienten leben seit Längerem mit ihrer Erkrankung, sind in neurologischer oder psychiatrischer Behandlung und suchen nach weiteren Behandlungsmöglichkeiten. An diesem Punkt setzt die Neuromodulation nach der SOZO-Methode an.
Die Verfahren wirken auf Netzwerke im Gehirn, die für Bewegung, Gedächtnis, Stimmung und Schmerzverarbeitung bedeutsam sind. Welche Netzwerke wir behandeln, richtet sich nach Ihrer Erkrankung und Ihren Beschwerden.
Wir setzen die Neuromodulation auch vorbeugend ein, etwa bei beginnenden Gedächtnisproblemen, leichten Gleichgewichtsstörungen oder wenn neurodegenerative Erkrankungen in der Familie vorkommen. Ziel ist es, die Netzwerke des Gehirns bei ersten Störungen zu stabilisieren, bevor sich eine Erkrankung entwickelt.
Für mehrere Anwendungsgebiete zeigen wissenschaftliche Studien vielversprechende Ergebnisse, und bei vielen der folgenden Erkrankungen verlinken wir eine Studie zu einem der eingesetzten Verfahren. Die verlinkten Arbeiten sind in englischer Sprache verfasst.
Neurodegenerative Erkrankungen
Kennzeichnend für diese Erkrankungen ist, dass Nervenzellen fortschreitend verloren gehen. Deshalb stimuliert die Neuromodulation die verbliebenen Netzwerke und unterstützt ihr Zusammenspiel.
Parkinson
Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung sterben nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin bilden. Das zeigt sich vor allem durch Zittern, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen, häufig begleitet von einer Unsicherheit beim Gehen. Wir behandeln Parkinson in erster Linie mit TPS, Stoßwellentherapie und tDCS.
Studie zur TPS von Osou und Kollegen, Journal of Neurology 2024
Demenz und Alzheimer
Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz. Oft fällt Betroffenen oder ihrer Familie zuerst auf, dass Gedächtnis und Konzentration nachlassen. Mit der Zeit fallen auch Orientierung, Sprache und alltägliche Aufgaben schwerer. Bei Alzheimer setzen wir die transkranielle Pulsstimulation mit dem System Neurolith ein, das für die Therapie der Alzheimer-Erkrankung angeboten wird. Angehörige beziehen wir auf Wunsch eng in die Behandlung ein.
Studie zur TPS von Matt und Kollegen, JAMA Network Open 2025
Mehr zur TPSLeichte kognitive Störungen (MCI)
Bei leichten kognitiven Störungen lassen Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Wortfindung stärker nach als im Alter üblich, während der Alltag noch kaum eingeschränkt ist. Hier kommt die tDCS zum Einsatz, die gezielt Netzwerke für Gedächtnis und Aufmerksamkeit anregt.
Meta-Analyse zur tDCS von Chen und Kollegen, Brain Sciences 2022
ALS
Die amyotrophe Lateralsklerose betrifft die Nervenzellen, über die das Gehirn die Muskeln steuert. Da diese Zellen zugrunde gehen, werden die Muskeln schwächer, und im weiteren Verlauf sind auch Sprechen und Schlucken betroffen. Ein wichtiger Baustein der Behandlung ist die tVNS, weil bei ALS auch Entzündungen im Nervensystem eine Rolle spielen.
Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems
Im Vordergrund steht bei entzündlichen Erkrankungen häufig eine ausgeprägte Erschöpfung, die den Alltag bestimmt. Beruhigende Verfahren wie die tVNS entlasten das Nervensystem, und viele davon können Sie auch zu Hause anwenden.
Multiple Sklerose
Bei der Multiplen Sklerose greift das Immunsystem die schützende Hülle der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark an. Zu uns kommen Betroffene häufig wegen der sogenannten Fatigue, also einer starken Müdigkeit und Erschöpfung, sowie wegen Gangstörungen, Spastik oder Schlafproblemen. Gegen die Fatigue setzen wir zusätzlich zur tVNS die tDCS ein, gegen die Spastik die Stoßwellentherapie.
Studie zur tDCS von Charvet und Kollegen, Multiple Sclerosis Journal 2018
Rehabilitation und Bewegungsstörungen
Nach einem Schlaganfall oder einer Kopfverletzung muss das Gehirn viele Fähigkeiten neu erlernen. Die Neuromodulation fördert diese Lernphase, besonders im Zusammenspiel mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und gezieltem Training. Auch bei Bewegungsstörungen verbinden wir die Verfahren mit Übungen aus unserer Trainingstherapie.
Schlaganfall
Welche Folgen ein Schlaganfall hat, hängt von der betroffenen Hirnregion ab. Möglich sind Lähmungen, eine geschwächte Hand, Sprachstörungen oder Probleme mit Gedächtnis und Konzentration. Ist die Handfunktion eingeschränkt, trainieren Sie zusätzlich mit dem Reha-Handschuh.
Meta-Analyse zur tDCS mit Rehabilitation von Zheng und Kollegen, Frontiers in Neurology 2025
Schädel-Hirn-Verletzung
Nach einem Unfall oder Sturz bleiben bei manchen Menschen über lange Zeit Beschwerden bestehen, die je nach Schwere der Verletzung das Denken, die Bewegung oder die Stimmung betreffen. Typische Folgen sind Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme und eine rasche Erschöpfung.
Spastik und Dystonie
Bei einer Spastik sind Muskeln dauerhaft angespannt, etwa nach einem Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose. Bei einer Dystonie dagegen ziehen sich Muskeln unwillkürlich zusammen und führen zu Fehlhaltungen. Mit der Stoßwellentherapie lockern wir die betroffenen Muskeln und unterstützen so die Beweglichkeit.
Meta-Analyse zur Stoßwellentherapie von Otero-Luis und Kollegen, Journal of Clinical Medicine 2024
Restless Legs
Beim Restless-Legs-Syndrom spüren Betroffene vor allem abends und nachts einen starken Bewegungsdrang in den Beinen und dazu ein Kribbeln oder ziehende Missempfindungen. Weil die Beschwerden beim Sitzen und Liegen auftreten, leidet der Schlaf.
Neuropsychiatrische Erkrankungen und Schlaf
Stimmung, Angst und Schlaf hängen eng mit bestimmten Netzwerken im Gehirn zusammen, die wir mit Verfahren wie tDCS und CES stimulieren.
Depression und Angst
Depressionen und Angststörungen beeinträchtigen Antrieb und Alltag über lange Zeit. Typische Beschwerden sind gedrückte Stimmung, innere Unruhe, Grübeln oder anhaltende Ängste. Häufig gehören auch Erschöpfung und Schlafprobleme dazu.
PTBS
Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht nach einem schweren Unfall, Gewalt oder einem anderen traumatischen Erlebnis. Erinnerungen an das Erlebte drängen sich immer wieder auf, begleitet von Anspannung, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Manchmal zeigt sich die Belastung auch in neurologischen Beschwerden wie Lähmungen oder Zittern, für die sich keine organische Ursache findet.
Schlafstörungen
Zu den Schlafstörungen gehören Einschlafprobleme, häufiges nächtliches Aufwachen und das Gefühl, morgens nicht erholt zu sein. Bei der Behandlung steht hier die CES im Vordergrund.
Neuronale Entwicklungsstörungen
Diese Störungen betreffen die Entwicklung des Gehirns, zeigen sich meist schon im Kindesalter und bestehen bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter. Die Behandlung richtet sich auf die Netzwerke, die Aufmerksamkeit, Lernen und Verhalten steuern.
ADHS
ADHS betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene. Den Betroffenen fällt es schwer, die Aufmerksamkeit zu halten und Impulse zu steuern, und bei manchen kommt eine ausgeprägte körperliche Unruhe hinzu.
Studie zur tDCS von Estaji und Kollegen, Scientific Reports 2024
Autismus
Autismus zeigt sich bei jedem Menschen anders. Vielen Betroffenen fallen Kommunikation und soziales Miteinander schwer, oft verbunden mit einer hohen Empfindlichkeit für Geräusche, Licht oder Berührung. Im Alltag sind feste Abläufe für sie besonders wichtig.
Studie zur TPS von Cheung und Kollegen, Brain Communications 2023
Lernbehinderungen und Entwicklungsverzögerungen
Manche Kinder lernen langsamer als Gleichaltrige oder erreichen Entwicklungsschritte wie Sprechen, Laufen oder Lesen später. Meist sind dabei auch Konzentration, Gedächtnis oder Feinmotorik betroffen.
Schmerzen, Nervenschäden und Reizdarm
Bei lang anhaltenden Schmerzen verändert sich auch die Schmerzverarbeitung im Gehirn, und genau diese Verarbeitung beeinflusst die Neuromodulation.
Chronische Schmerzen
Schmerzen gelten als chronisch, wenn sie länger als drei Monate anhalten. Oft bestehen sie trotz verschiedener Behandlungen fort und belasten Körper und Psyche stark. Neben der tVNS nutzen wir bei Schmerzen in Muskeln und Sehnen die Stoßwellentherapie.
Meta-Analyse zur tVNS von Costa und Kollegen, Pain Reports 2024
Migräne und Kopfschmerzen
Migräne verläuft in wiederkehrenden Anfällen mit meist einseitigen, pochenden Kopfschmerzen. Während der Anfälle reagieren viele Betroffene empfindlich auf Licht und Lärm, manche leiden unter Übelkeit. Auch chronische Spannungskopfschmerzen schränken den Alltag erheblich ein.
Studie zur tDCS von Hervik und Kollegen, Frontiers in Pain Research 2024
Fibromyalgie
Bei Fibromyalgie treten Schmerzen an vielen Stellen des Körpers auf, häufig begleitet von Erschöpfung und Schlafstörungen. Hinzu kommen oft Schwierigkeiten mit Konzentration und Gedächtnis.
Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie ist eine Schädigung vieler Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark, häufig als Folge von Diabetes. Betroffene spüren Kribbeln, Taubheit oder brennende Schmerzen, meist zuerst in den Füßen, und oft lässt auch die Trittsicherheit nach. Die betroffenen Regionen behandeln wir mit der Stoßwellentherapie.
Meta-Analyse zur Stoßwellentherapie von Yang und Kollegen, Frontiers in Neurology 2024
Reizdarmsyndrom
Beim Reizdarmsyndrom treten Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden immer wieder auf, zusammen mit Blähungen und einem wechselnden Stuhlgang. Eine wichtige Rolle spielt die Verbindung zwischen Darm und Gehirn über den Vagusnerv, die sogenannte Darm-Hirn-Achse, die wir mit der tVNS gezielt anregen.
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